Kulinarisches Highlight in Nordhessen

Das Team der Sonne Frankenberg, (c) Sonne Frankenberg

Unbedingt einen Besuch wert ist das nordhessische Frankenberg. Die vielerorts immer noch ein wenig verschlafen wirkende Heimat der Gebrüder Grimm wirkt ein wenig aus der Welt gefallen, wenn man aus dem wuseligen Rhein-Main-Gebiet kommt und hat doch seinen Reiz, wenn man sich auf Entschleunigung einlässt. Das kann einfach und bescheiden vor sich gehen, muss es aber nicht, denn dort hat sich, inmitten der mittelalterlichen Fachwerkhäuser, vor einigen Jahren ein Hotel der Spitzenklasse angesiedelt: Die Sonne Frankenberg.

Zu verdanken hat es die Region dem zweitreichsten Milliardär Nordhessens (Familie Braun aus Melsungen ist mit knapp 6 Milliarden Euro fast dreimal so vermögend): Dr. Martin Viessmann.

Der Wirtschaftswissenschaftler ist Chef der für ihre Heiztechnik bekannten Viessmann Werke im benachbarten Allendorf. Viessmann ist nicht nur ein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit, die in seiner Firmenphilosophie eine große Rolle spielt, sondern ist auch seiner Heimatregion eng verbunden. Das malerische Fachwerkensemble im Herzen der Stadt wäre ohne sein Engagement sicherlich weit weniger ansehnlich. Einige der alten Fachwerkhäuser hat Viessmann in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz zu dem heutigen Luxushotel verwandelt.

Blick über die Wälder zum Edersee, Foto: epr/GrimmHeimat NordHessen, Fotograf Paavo Blåfield

Zu Gast in der Sonne Frankenberg

Gründe für einen Besuch gibt es etliche. So bietet das gemütlich-luxuriöse Relais & Châteaux Hotel seinen Gästen „MeineCardPlus„. Damit kann er als Gast des Hotels die Grimm-Heimat Nordhessen mobil und kostenlos mit Bussen, Bahnen und flächendeckenden Anruf-Sammel-Taxis im NVV-Gebiet, das den gesamten Norden Hessens ausmacht, erkunden und dabei auch rund 130 Freizeitmöglichkeiten kostenlos besuchen. Dazu zählt das NationalparkZentrum Kellerwald, das als Eintrittstor zum von der UNESCO zum Weltnaturerbe gekürten Buchenwald-Nationalpark mit einer Mischung aus fantasievollen Inszenierungen und High Tech ganz wetterunabhängig außergewöhnliche Einblicke in die Wildnis des Kellerwaldes gewährt.

Aber auch die spannenden Kulturangebote wie das Museum Thonet in Frankenberg, das im eigenen Firmenmuseum eines der ältesten Möbelhersteller der Welt mit seinen seit 1819 produzierten Wohn- und Objektmöbel höchster Qualität in seinem Showroom Klassiker und Neuheiten aus Bugholz und Stahlrohr präsentiert und einen lebendigen Eindruck von möglichen Einrichtungskonzepten vermittelt, sind mit der MeineCardPlus einen Besuch wert.

Nicolas Beamann und Erik Arnecke in der Küche, (C) Michael Ritter
Das Gourmet Festival

Filet und Confit vom Friesisch Ochs, (c) Michael Ritter

Ein anderer Grund für einen Besuch ist das Gourmet-Festival der exklusiven Hotel- und Restaurantvereinigung Relais & Châteaux, deren Mitglied das Hotel ist. 15 Spitzenköche treffen sich dabei in diesem Jahr in neun Häusern mit Sterneküche zu einer Serie erstklassiger Genießer-Events in ganz Deutschland.

Anfang Juli lud Erik Arnecke, der mit einem Michelin-Stern gekürte Küchenchef des Gourmetrestaurants Philipp Soldan der Sonne, seinen französischen Kollegen Nicolas Beaumann vom Maison Rostang in Paris ein, zusammen mit ihm ein „vierhändiges Menü„ zu kreieren.

Das Essen konnte sich sehen lassen und für die Weinbegleitung hatte man mit Gut Hermannsberg, Pommery und Domaines OttTopwinzer und Champagnerhersteller zur Präsentation einiger ihrer Produkte aus Deutschland und Frankreich eingeladen.

Gratinierter Sankt Petersfisch (C) Michael Ritter

Das Menü und die Weine

Entenstopfleber mit Kirschen (c) Michael Ritter

Das Menü war ein wahres Feuerwerk der Aromen, bei dem sich Erik Arnecke und Nicolas Beaumann immer wieder gegenseitig übertrumpften. Als Amuse Bouche servierte Arnecke einen fangfrischen holländischen Saison Matjes mit geeistem Sauerrahm und Kapuzinerkresse, zu dem ein 2014er Riesling Kabinett des Gut Hermannsberg von der Nahe eingeschenkt wurde. Beaumann folgte mit cremiger Entenstopfleber mit Kirschen. Der Riesling passte gut dazu, denn der vielschichtige Wein mit seinen Apfel- und Birnen-Aromen brachte die richtige Kombination von Frische und Frucht mit. Ein Wein, den man auch gerne bei einen entspannten Abend auf der Terrasse genießen kann.

Als Fischgang servierte Erik Arnecke dann saftig-gratinierten Sankt Petersfisch mit würzig-gebeiztem Rindermark, wildem Brokkoli und jungen Artischocken zu einem 2015er „BY.OTT“ Rosé aus der Magnumflasche, der wiederum Nicolas Beaumann köstlich-cremige Pfifferlinge und Zwiebelrahm mit schöner Textur folgen ließ. Dazu passte der Rosé von der Côtes de Provence mit seiner blass-pinken Farbe und den orangefarbenen Untertönen perfekt, denn mit seinen animierenden tropischen Fruchtbukett schmeckte er am Gaumen voll, frisch und knackig.

Für Fleischliebhaber ein Highlight des Abends waren sicherlich Erik Arneckes zarte Frankenberger Rehstelze mit Ährenspargel, Aronia und Bärlauchgremolata zum 2012er Bandol Rouge Château Romassan der Domaines Ott. Wie kein anderes Fleisch ist Wild eng mit der Jagdsaison verbunden. Das Reh lebt und äst nur in der freien Natur, was sein Fleisch unvergleichlich frisch schmecken lässt.

Zwar zählt die Stelze, anders als die darüber sitzende Keule, der Rücken und die Schulter nicht zu den bevorzugten Teilen, lässt sich aber ausgezeichnet schmoren und passt perfekt zu dem leichten provenzalischen Rotwein.Arm an Fett und Cholesterin belastet es auch den Magen nur wenig, weshalb Arnecke noch ein Filet und Confit vom Friesisch Ochs mit Sommerwirsing, Luftzwiebeln und Kartoffelschaum nachschieben konnte, das so zart war, dass es fast auf der Zunge verschmolz. Einer der Gäste an unserem Tisch musste uns leider vor dem Ochsen verlassen, doch sein Fleisch fand am Tisch begeisterte Abnahme. Küchenchef Arnecke, der zuvor bei Sven Elverfeld im Aqua in Wolfsburg und dann mit Erik Werner als Küchenchef der mit zwei Michelin-Sternen gekrönten Essener Résidence kochte, bevorzugt ursprüngliche Produkte von bester Qualität – am liebsten von persönlich bekannten Lieferanten aus der Region, die er dann einfach, aber perfekt zubereitet – ohne viel unnötige Aufregung.

Der dazu serviert Wein der Domaines Ott in seiner bauchigen Flasche, eine Cuvée von Mourvedre und Grenache leuchtete granatfarben. Mit Aromen von roten Früchten und Leder und weichen Tanninen präsentierte sich der vollmundige Wein von der provenzalischen Küste um Bandol mit ihren kalkhaltigen, sandigen Böden als guter Begleiter für Arneckes regionalen Fleischspeisen.

Danach durfte wieder Nicolas Beaumann mit seinem Dessert „The crispy cigar“ mit Havanna Tabak und Mousse vom Hennessy Cognac auftrumpfen, die Erik Arnecke mit Pralinen und Petit Fours und einigen Kaffeespezialitäten von Seeberger zum Abschluss brachte.

Ahle Worscht, (c) Foto von Hydro bei Wikipedia [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, via Wikimedia Commons

Zum Abschluss Ahle Worscht

Wer nicht satt wurde, konnte im Anschluss an das Menü zusammen mit den Köchen beim mitternächtlichen hessischen Vesperbuffet nachfassen. Nicht nur Nicolas Beaumann, der bevor er Küchenchef in dem mit zwei Michelin-Sternen dekorierten Restaurant von Michel Rostang wurde, als Sous-Chef mit 3-Sterne-Koch Yannick Alléno zusammenkochte, war dabei begeistert von der Ahlen Worscht.

Der Preis für das Vergnügen war mit 149 Euro pro Person inklusive Weinbegleitung ein wahres Schnäppchen. Aber auch sonst bieten Gastgeber Susan Lorenz und Gerhard Pohl den Gästen über das Jahr verteilt eine Menge an kulinarischen Angeboten, die es lohnen, dort ein entspanntes Wochenende zu verleben.

Sommelier Lennart Wenk schenkt aus, (c) Sonne Frankenberg
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